// MATCHANALYSE
Sind starke Tennisspieler automatisch gut im Pickleball? Unsere Rubrik „Matchanalyse“ vergleicht den Klassiker Tennis und den Trendsport Pickleball.
Mit Geduld und Spielwitz
Vom 26. bis 29. November 2026 macht die World Pickleball Championship (WPC) in Deutschland Station. Bei den WPC Germany Hannover Open powered by HAZ x NP treffen an der TennisBase Hannover Spieler aus aller Welt aufeinander. In den Einzel-, Doppel- und Mixed-Wettbewerben dürfte schnell sichtbar werden, wo der feine Unterschied zwischen Pickleball und Tennis liegt. Niedersachsens Pickleball-Spitzenspielerin Sandra Meixner (Verden) und -Spieler Stefan Kornhaß (Gifhorn) erklären die feinen Unterschiede.

Stefan Kornhaß
Das Grundsätzliche
An diesem Fakt besteht kein Zweifel. Richtig gute Tennisspieler finden sich beim Pickleball schnell zurecht – vor allem im Einzel. Hier können sie wie gewohnt mit Schlaghärte und Angriffslust agieren. „Aber ab einem gewissen Level reicht hohes Tempo im Pickleball nicht mehr. Damit kommt selbst der beste Tennisspieler nicht weiter“, erklärt Stefan Kornhaß. Der 52-Jährige ist im Tennis groß geworden und ein sehr erfahrener Spieler sowie Trainer. Seit seinem Einstieg beim Pickleball vor zehn Jahren hat er sehr viel dazugelernt. Kornhaß ist im vergangenen Jahr Deutscher Meister (Altersklasse 50+) im Einzel, Doppel und Mixed sowie Dritter bei der Europameisterschaft im Einzel. Er erkennt nach wenigen Schlägen die feinen Unterschiede zwischen einem Tennisspieler im Pickleball und einem Pickleball-Spezialisten.
Die Spieltaktik
Tennisspieler sind es gewohnt, mit Hilfe von Kraft, Ausdauer und Tempo ihr Ziel zu erreichen. Wenn sie sich im Pickleball versuchen, setzen sie vor allem auf schnelle Schläge, nutzen ihre gute Beinarbeit und die Schwächen ihrer Gegner. „Das Problem ist: Pickleball belohnt nicht das, was Tennisspieler am besten können“, sagt Sandra Meixner. Die 1. Vorsitzende des TC Verden gehört zu Deutschlands besten Pickleball-Spielerinnen und weiß: „Im Pickleball ist die Grundlinie der schlechteste Ort auf dem Platz. Das Spiel wird vorne an der Kitchen gewonnen – mit dem Dink, einem kurzen, weichen Ball, der Fehler des Gegners erzwingt.“
Auf dem Pickleball-Court ist ein gelernter Tennisspieler leicht zu erkennen – und zwar an seiner Beinarbeit, am Aufschlag mit Rotation, an der Rückhand- und Volley-Technik und am Willen, jeden Ball zu spielen. Reine Pickleball-Spieler, die Quereinsteiger ohne Rückschlagsport-Vergangenheit sind, haben meist das weiche Spiel schnell verinnerlicht, weil sie nie etwas anderes kennengelernt haben. Auf Turnierniveau setzen sich am Ende diejenigen durch, die beides vereinen: die athletische Basis aus dem Tennis und die Geduld des Pickleballs.

Sandra Meixner
Die Technik
Es ist beim Pickleball durchaus möglich, neben schnellen Grundschlägen und Volley auch Variationen wie Slice und Spin einzusetzen. Auch wenn das Paddle im Gegensatz zum Tennisschläger nicht besaitet ist, sind besondere Effekte möglich. Aber die wollen gelernt sein. „Slice und Spin entstehen beim Pickleball aus einer anderen Schlagtechnik als beim Tennis“, sagt Stefan Kornhaß. Er hat im vergangenen Jahr mit dem Pickleball Club Gifhorn eine Mischung aus Akademie und Verein gegründet. Als staatlich geprüfter Tennistrainer und Pickleball-Routinier gibt er seine Erfahrungen von beiden „Seiten“ gerne weiter.
Im Gegensatz zum Tennis kommt es beim Pickleball nicht in erster Linie auf eine saubere, über Jahre erlernte Technik an. Selbst unerfahrene Laien haben in dieser Trendsportart schnelle Erfolgserlebnisse und lange Ballwechsel. Sie lernen dabei schnell, dass Pickleball kein ständiger Kraftakt, sondern ein Geduldsspiel ist. Dabei sind vor allem Spielwitz und ein schnelles Reaktionsvermögen gefragt. „Ein Ballwechsel auf hohem Niveau kann 20, 30 Dinks dauern, bis jemand einen Fehler macht oder einen Ball zu hoch spielt. Tennisspieler wollen den Punkt beenden. Pickleball-Spieler warten, bis der Punkt sich anbietet“, erklärt Ausnahmekönnerin Sandra Meixner.

Die Gemeinschaft
Beim Tennis werden Ruhe und Konzentration favorisiert. Deshalb ist die Lautstärke der Schläge beim Pickleball für Traditionalisten durchaus ungewohnt. „Das Geräusch der Schläge ist beim Pickleball durchaus ein Thema – aber nicht bei den Aktiven untereinander“, findet Stefan Kornhaß. Der langjährige, leistungsstarke Tennisspieler ist damit aufgewachsen, dass während eines Tennispunktspiels am liebsten absolute Ruhe auf und neben dem Platz herrscht. Beim Pickleball dagegen sind die lauten Klack-Geräusche beim Schlagen, Gespräche direkt am Court oder sogar laute Musik während der Ballwechsel ganz normal.
Interessant wird es, wenn sich bei ambitionierten Turnieren ursprüngliche Tennisspieler und Pickleball-Spezialisten in der Welt von Plopp und Klack begegnen. Auf dem Court müssen dann Kompromisse gefunden werden. „Meine Erfahrung ist: Reine Pickleball-Spieler stört eigentlich gar nichts. Sie sind total entspannt, auch wenn es mal lauter wird“, sagt Stefan Kornhaß. Er wird bei den WPC Germany Hannover Open powered by HAZ x NP in der Altersklasse +50 an den Start gehen und unter Beweis stellen, wie vorteilhaft es ist, das Können aus dem Tennis und dem Pickleball zu vereinen.

