// MATCHANALYSE
Friedrich Klasen, Teamleiter zentrales Landestraining an der TennisBase Hannover, über den Stellenwert internationaler Nachwuchsturniere im TNB
So wertvoll sind internationale TNB-Turniere
An der TennisBase Hannover steht die Ausbildung und Betreuung hoffnungsvoller TNB-Talente im Fokus.
Worauf kommt es auf dem Weg nach oben an? Wie gelingt der Übergang vom Junioren- ins Erwachsenen-Tennis am besten?
In der Matchanalyse gibt mit Friedrich Klasen ein sehr erfahrener Spieler und TNB-Trainer die Antworten.

Vom Regionstraining über den Landeskader bis hin zu europäischen Turnieren: Warum ist es wichtig, dass der TNB-Nachwuchs über den Tellerrand blicken kann und früh internationale Erfahrungen sammelt?
Die Statistiken im Profitennis zeigen, dass ein sehr, sehr hoher Prozentsatz der Spielerinnen und Spieler aus den Top 100 auch im Jugendbereich schon international gespielt hat. Es gibt nur noch ganz wenige Talente, die erst später den Einstieg bei internationalen Turnieren wagen und dann noch erfolgreich werden. Der Trend geht immer mehr dahin, dass die Kinder schon in der Altersklasse U12 anfangen, international zu spielen. Es braucht Zeit, um sich den gehobenen Herausforderungen anzupassen. Sogenannte TE- und ITF-Turniere sind eben doch insbesondere zu Beginn ganz anders zu spielen, als wenn man „nur“ in Deutschland in seiner vertrauten Umgebung spielt.
Internationale Turniere mit Heimvorteil bieten kurze Wege und lokalen Support. Warum sind TNB-Events wie die RADIO 21 Open in Hannover und der Cup der Nordverbände in Isernhagen besonders wertvoll?
Weil wir bei den TNB-Turnieren mit Hilfe von Wildcards die Möglichkeit haben, mehr „eigene“ Spielerinnen und Spieler in die Felder zu bekommen. Es ist wichtig, unserem Nachwuchs die Chance zu geben, sich international zu vergleichen. Und natürlich merken wir bei den Heimturnieren in Hannover und Isernhagen, dass es unsere Schützlinge genießen, in ihrer vertrauten Umgebung zu spielen und kürzere Wege zu haben. Mehr Support, mehr Zuschauer, mehr Unterstützung von der Familie, mehr Trainer mit vor Ort: Daraus ergibt sich ein Heimvorteil, der wichtig ist und beflügelt.
Reisen, Ernährung, Klima, Heimweh, Logistik und Disziplin: Wie werden die TNB-Talente auf diese Themen mit Blick auf Turnierreisen ins Ausland unterstützt?
Die internationalen Turnierreisen gehören ab einem bestimmten Leistungslevel genauso zu einer guten Ausbildung wie eine saubere Technik und eine gute Taktik. Wer sich weiterentwickeln will, muss einfach auch reisen. Das gilt vor allem für Spielerinnen und Spieler, die nicht nur erfolgreich, sondern auch auf einem professionellen Level spielen wollen. Dazu gehört unter anderem die Frage, wie man sich rund um ein Turnier gut ernährt und worauf man auf einer Turnierreise im Ausland lieber verzichtet. Es gibt in bestimmten Ländern einfach Dinge, die nicht empfehlenswert sind. Auch an besondere klimatische Bedingungen und besondere Gegebenheiten vor Ort muss man sich erst einmal gewöhnen. Das gilt für die Spielerinnen und Spieler sowie für die Trainer. Wir alle stehen bei internationalen Turnieren und entsprechender Konkurrenz immer wieder vor neuen logistischen Herausforderungen. Aber genau das bringt einen als Sportler und Mensch voran. Es geht bei solchen Turnierreisen auch um Persönlichkeitsentwicklung.
Was macht den Übergang vom Junioren-Tennis in das Erwachsenen-Tennis so schwierig?
Die größte Herausforderung beim Übergang zum Erwachsenen-Tennis ist sicherlich die Suche nach Konstanz. Die Spielerinnen und Spieler werden immer reifer und entwickeln sich weiter. Dann entscheiden immer mehr Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage. Es gibt Talente, die sich im Alter von 16, 17 Jahren leichter mit ihren Aufgaben tun, weil sie noch nicht den großen Erfolgsdruck spüren. Die Erwartungen sowohl von außen und als auch von einem selbst steigen allerdings automatisch mit der Anzahl der Turniere. Die körperliche und mentale Stabilität gehört neben der Konstanz dann zu den entscheidenden Faktoren. Im Vergleich zum Juniorenbereich, in dem der Spielraum noch groß ist, kommt es bei den Erwachsenen immer mehr auf eine gute Vorbereitung und einzelne Details an. Das muss man lernen, verinnerlichen und annehmen.
Ida Wobker und Niels McDonald sind beide auf ihre Art den TNB-Weg mitgegangen. Gelten sie mit ihren Platzierungen in der Weltrangliste als herausragende Beispiele?
Der TNB, unser Trainerteam und die TennisBase als Stützpunkt in Hannover haben diese beiden Top-Talente auf ihrem Weg begleitet. Niels hat in Hannover viel mit Stefan Seifert zusammengearbeitet. Ida ist intensiv von Anna-Lena Herzgerodt betreut worden. Auch das waren Mosaiksteine, die zum Fundament für eine hoffentlich erfolgreiche Laufbahn beigetragen haben. Die Leistungen der beiden und ihr aktuelles Ranking in den Weltranglisten der Junioren und der Erwachsenen sind beeindruckend. Ihr bisheriger Weg von der nationalen auf die internationale Bühne gilt als Top-Beispiel dafür, wie der lange Weg von den Anfängen in den TNB-Regionen bis ins professionelle Tennis gemeistert werden kann.
Ausbildung an der TennisBase Hannover

