// MATCHANALYSE

Bernd Müller, Tennis-Routinier des Hildesheimer Tennis-Club Rot-Weiß, über seine Titel, Erfolgsgeheimnisse und Ziele

„ICH LIEBE DIESEN SPORT EINFACH“

Seine Titelsammlung wächst und wächst. Bernd Müller ist 86 Jahre alt und gehört zu den weltweit besten Tennisspielern seiner Altersklasse. In unserer Rubrik „Matchanalyse“ verrät der Routinier aus Hildesheim, was ihn antreibt und wie er es als Spätstarter im Tennis geschafft hat, zur nationalen und sogar internationalen Spitze zu zählen. 

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DIE MOTIVATION: DAS TREIBT BERND MÜLLER AUF DER JAGD NACH TITELN AN

Gab es einen Karriereplan? Einen gewollten Weg in das gehobene Tennis? Auf Fragen wie diese antwortet Bernd Müller mit einem klaren Jein. Der gebürtige Hamburger ist im Alter von 28 Jahren nach Hildesheim gezogen und hat dort erst relativ spät mit dem Tennisspielen begonnen. Nach seinen ersten Erfolgen für die 2. Herrenmannschaft von Gelb-Rot Hildesheim und Siegen bei den damaligen Bezirksmeisterschaften fiel auf: Der Mann kann Tennis. Und er hat Ehrgeiz. „Ich liebe es“, gesteht der Titeljäger, „mich ohne direkten Körperkontakt mit jemandem auseinanderzusetzen. Das Duell auf dem Tennisplatz fasziniert mich bis heute. Ich liebe diesen Sport einfach.“ 

Zum Turnierspieler hat sich Müller erst nach seinem Wechsel zum Hildesheimer Tennis-Club Rot-Weiß entwickelt. Den ersten guten Erfahrungen in Springe, Hannover oder Hildesheim folgten Erfolge bei nationalen und internationalen Turnieren. „In die internationalen Turniere bin ich erst im Alter von 75 Jahren eingestiegen“, berichtet Müller. „Dabei verbinde ich mit meiner Frau das Schöne mit dem Nützlichen. Wir reisen gerne ein bis zwei Tage vor Turnierbeginn an oder bleiben noch länger vor Ort, um die jeweilige Stadt oder das Land besser kennenzulernen.“ 

DIE FITNESS: SO BEREITET SICH BERND MÜLLER AUF SEINE TURNIERREISEN VOR

Die Optik täuscht. Wenn Außenstehende das Alter von Müller und die für ihn passende Altersklasse erraten sollen, liegen sie fast immer daneben. „Ich halte mich gerne fit und bin sehr laufbereit. Dazu kommt, dass ich mich dank des intensiven Trainings und der Turnierspiele offenbar jung halten kann“, sagt der Erfolgsspieler. 

Die Vorbereitung auf seine Turnierreisen beginnt immer schon daheim – mit Fitnesstraining, Schlagtraining sowie Einzel- und Doppel-Matches mit seinen Teamkameraden bei Rot-Weiß. „Ich gehe tatsächlich auch regelmäßig in die Muckibude“, verrät der Ausnahmekönner. Dazu kommen eine gute Ernährung und mindestens acht Stunden Schlaf pro Nacht. Es gibt viele kleine Bausteine, die aus seiner Sicht zu guten Ergebnissen führen. „Nach Turnierreisen mit vielen Spielen bin ich dann irgendwann auch wirklich müde. Dann sagt der Körper: Jetzt ist erst einmal Schluss“, gesteht Müller. 

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Siegerehrung DM Doppel 2026

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DIE ERFAHRUNG: DAS HAT BERND MÜLLER SCHON ERLEBT UND ERREICHT

Zu seinen schönsten Erfahrungen im Turniertennis zählt Müller das 1000er-ITF-Turnier auf Mallorca. Auf der spanischen Insel ist auch schon die Weltmeisterschaft der Altersklassen ausgetragen worden. Müller ist Kapitän der deutschen Mannschaft und deren Leistungsträger. Den Titelgewinn mit dem Team bei der WM 2021 stuft er als seinen bisher größten Erfolg ein. Dass er Ende Juli bei den Deutschen Meisterschaften mit Horst Hätti (TC Blau-Gold Rastatt) im Doppel triumphieren konnte, erwähnt Müller fast nur beiläufig. 

Von Hildesheim über Essen bis nach Mexiko: Was Müller von seinen Turnierreisen zu nationalen und internationalen Titelkämpfen zu berichten hat, könnte Bücher füllen. Eine Anekdote würde mit Sicherheit darin auftauchen. Als Müller im Alter von 75 Jahren erstmals Deutscher Meister geworden ist, war er direkt aus dem Skiurlaub angereist und hatte geplant, nicht eine Woche lang Tennis zu spielen, sondern in seinem Unternehmen ein wichtiges Vertriebsmeeting durchzuführen. Statt über zwei Tage ging das Meeting nur über einen Tag zwischen Halbfinale und Finale. Die Mitarbeitenden waren begeistert, dass ihr Chef „nebenbei“ Deutscher Meister geworden war. 

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DIE TURNIERE UND REISEN: SO PLANT BERND MÜLLER SEIN TENNIS-JAHR

Im Turniertennis bleibt wenig dem Zufall überlassen. Und natürlich macht sich Müller rechtzeitig Gedanken, welche Reiseziele und welche Turniere ihn im Folgejahr locken könnten. „Ich mache mir eine grobe Übersicht mit denkbaren Turnieren und entscheide dann sukzessiv, wo meine Frau und ich hinfahren“, sagt der Ruheständler. Ist das nicht schon fast ein Leben wie ein Tennisprofi – nur ohne Preisgeld-Millionen? Über diese Frage muss Müller schmunzeln. Er hat tatsächlich eine heimische Schublade, in der er sein Preisgeld sammelt. Darin liegen keine Reichtümer, aber doch mal Beträge für die nächste Hotelübernachtung. 

Die nächste große Reise, die Müller plant, führt ihn nach Kreta. Dort wird im Oktober die Team-Weltmeisterschaft mit Einzel- und Doppelduellen ausgetragen. Der amtierende Kapitän darf die deutsche Mannschaft der Herren 85 wieder einmal zusammenstellen. Sich auf ein solches Turnier als Spieler und Mannschaftsführer gezielt vorzubereiten, macht ihm weiterhin großen Spaß. 

DAS ZIEL: DAS WILL DER 86-JÄHRIGE IM TENNIS NOCH ERREICHEN

Ganz klar: Noch einmal mit der deutschen Mannschaft Team-Weltmeister zu werden, das wäre für Müller eine große Sache. Im Einzel möchte er seine Bronzemedaille erfolgreich verteidigen oder sogar mehr erreichen. Wie lange er noch Turniere spielen kann, darüber entscheiden sein Wohlbefinden und der Spaßfaktor. 

Für zusätzliche Motivation hat zuletzt die Tennis Europe-Auszeichnung zum „Player of the year 2025“ der Herren 85 gesorgt. Ob es ihm auf lange Sicht noch Freude macht, an möglichst vielen hochkarätigen Turnieren teilzunehmen und um Titel zu kämpfen oder nur noch ausgewählte Turniere zu spielen, das wird Müller ganz in Ruhe entscheiden. 

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